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Führen mit Vision – Ein Einblick in die transformationale Führung

Aktualisiert: Sept 30

„I have a dream“ sprach Martin Luther King am 28. August 1963 anlässlich des Marsches auf Washington für Arbeit und Freiheit vor einer Menge von mehr als 250.000 Menschen. Er legte damit den Grundstein für das Führen mit Vision: dem transformationalen Führungsstil.

Nur wer ein klar umrissenes Bild von der Zukunft hat, weiß welche Dinge verändert werden müssen. Wer hierbei an höhere Motive wie Gerechtigkeit, Moral oder Frieden appelliert, wird die Welt von morgen verändern können.


Doch was heißt transformational und wie setzt sich dieser Führungsstil in der Praxis um?


Wer transformational führt, hat die Absicht, andere durch eine Vision zu „transformieren“ (verändern), das heißt seine Mitarbeiter weg von individuellen, egoistischen hin zu übergeordneten, langfristigen Zielen zu führen. Transformationale Führungskräfte nehmen hierbei eine klare Vorbildfunktion ein und versuchen, durch Vertrauen, Respekt, Wertschätzung und Loyalität ihre Mitarbeiter intrinsisch zu motivieren und zur Veränderung ihres Verhaltens sowie ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft aufzurufen. Die Vision steht im Mittelpunkt: je attraktiver sie formuliert ist, je beeindruckender und emotionaler das Bild darüber ist, was erreicht werden soll, desto besser gelingt es, seine Mitarbeiter zu motivieren und deren Leistung zu steigern. Durch den gemeinsamen Weg zur Zielerreichung - das gemeinsame Verfolgen der Vision - entsteht darüber hinaus ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamgeist, was sich ebenfalls positiv auf Motivation und Leistung auswirkt.



Transformationale Führung ist facettenreich und beinhaltet folgende vier Kernaspekte:

  • Einfluss durch Vorbildlichkeit und Glaubwürdigkeit Die Führungskraft überzeugt durch Vorbildfunktion in Leistung, moralischen Standards und Idealen. Sie zeigt starkes Vertrauen gegenüber Mitarbeitern, betont die Wichtigkeit von Commitment zur Zielerreichung und ist sich ethischer Konsequenzen eigener Entscheidungen bewusst.

  • Motivation durch begeisternde Visionen Die Führungskraft formuliert attraktive Zukunftsvisionen und betont die Bedeutung von bevorstehenden Aufgaben. Sie fordert durch hohe Ziele heraus und ermutigt für das, was getan werden muss.

  • Anregung und Förderung von kreativem und unabhängigem Denken Die Führungskraft regt zu kreativen und innovativen Lösungen an, eröffnet neue Blickwinkel und fördert das kritische Hinterfragen üblicher Problemlösungen.

  • Individuelle Unterstützung und Förderung Die Führungskraft erkennt die verschiedenen Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter und fördert individuell. Sie berücksichtigt sowohl Stärken als auch Schwächen der Mitarbeiter und entwickelt durch Beratung und Coaching persönlich weiter.

Erwartete oder besondere Leistung wird informell durch persönliche Anerkennung oder gesteigertes Vertrauen belohnt. Es werden keine materiellen Bedürfnisse der Mitarbeiter angesprochen, sondern vielmehr deren Wunsch nach Selbstverwirklichung und persönlichem Wachstum. Die Mitarbeiter entwickeln sich durch Inspiration, Coaching und Förderung neuer Ideen anstatt – wie in klassischen Führungsstilen – durch gemeinsame Zielvereinbarungen, Delegation und Kontrolle.



Theoretisch mögen sich diese Punkte plausibel anhören. Ist es allerdings realistisch, durchgängig transformational zu führen. Was tun, wenn eine Vision eben nur ein Traum bleibt oder sich überholt? Und vor allem:

Worin zahlt sich dieser Führungsstil aus?


Klar, die Mitarbeiter sind zufriedener und produktiver – allein schon durch die individuelle Berücksichtigung und Unterstützung ist dies einleuchtend. Allerdings sind Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zu tatsächlicher Leistungssteigerung und Unternehmenserfolg widersprüchlich. Auf der einen Seite erscheint transformationale Führung wirtschaftlich und passender für die jüngeren Generationen, als wesentlich effizienter als traditionelle Führungsstile, nach denen ausschließlich formell belohnt und extrinsisch motiviert wird. Transformational geführte Unternehmen scheinen eine höhere Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit aufzuweisen sowie rentabler und wachstumsstärker zu sein. Auf der anderen Seite kann eine langfristige Leistungs- und Gewinnsteigerung trotz vielfacher Untersuchungen nicht nachgewiesen werden.

Um transformational zu führen und auch langfristig damit etwas erreichen zu können, reicht es nicht aus, eine Vision zu entwickeln, zu kommunizieren und seine Mitarbeiter bei Laune zu halten.


Veränderungen können nur initiiert werden, wenn Führungskräfte klare Verhaltenserwartungen - anstatt vage und abstrakt formulierte Leitbilder - aufstellen und hierbei den Zusammenhang zwischen alltäglichem Verhalten und langfristigem Unternehmenserfolg stets im Blick behalten.

Eine tiefgehende Analyse des Ist-Zustands (Wo befinden wir uns aktuell und warum gefällt uns dieser Zustand nicht?), ein konkretes Bild über den Soll-Zustand (Entwicklung der Vision) sowie die Ableitung von Handlungsschritten, um die Vision erreichbar und realistisch zu machen (Was müssen wir tun, um unser Ziel erreichen zu können?) gehören zu den notwendigen Schritten transformationaler Führung. Hierbei nehmen Authentizität und Charisma der Führungskraft eine zentrale Rolle ein.


Eine Vorbildfunktion einnehmen kann nur, wer…

  • wirklich meint, was er sagt

  • für seine Wertevorstellungen steht

  • klare Ziele und Erwartungen setzt

  • offen für Kritik und neue Ideen ist

  • sich in einer Weise verhält, die Respekt verdient

  • gegenüber seinen Mitarbeitern das Gefühl erzeugt, dass man sich auf einen verlassen kann.

Für die Führungskraft bedeutet transformationale Führung schlussendlich, Verhaltensveränderungen für sich und seine Mitarbeiter zu erarbeiten, die sofort und einfach umgesetzt werden können, und diese Entwicklungs- und Verbesserungsmaßnahmen mit den langfristigen Unternehmenszielen zu verzahnen.


Bevorzugen Mitarbeiter eigenverantwortliches Arbeiten sowie viel Handlungsspielraum und lassen sie sich darüber hinaus anhand von Visionen, Werten und Kulturarbeit lieber intrinsisch als extrinsisch motivieren, mag der transformationale Führungsansatz genau der richtige sein.


Doch nicht jeder lässt sich hier gleich durch emotionale Leitbilder motivieren und sieht in seiner Erwerbstätigkeit auch eine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Hier gilt es dann zumindest, sich ein wichtiges Grundprinzip transformationaler Führung zu Herzen zu nehmen, nämlich ganz im Sinne der individuellen Berücksichtigung auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter einzugehen und anfänglich, phasenweise oder punktuell doch lieber nach dem klassischen Muster – mit klaren Anweisungen und formeller Belohnung – zu führen.

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